GAZETKA

Informationen des Polnischen Kulturvereins und der Vereinigung der Polen in Berlin 

über Ereignisse aus dem deutsch-polnischen Kulturleben

25/12/11
Nr. 70
Deutsch – Polnische Begegnungen
Vor über 20 Jahren wurde der Deutsch-Polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Aus diesem Anlass fand am 18. Juni ein Open Air Konzert am Breitscheidplatz statt. Die über zehnstündige, sehr gelungene und trotz eines regnerischen Tages gut besuchte Veranstaltung wurde organisiert vom Bundesverband Polnisches Forum in Deutschland e.V. unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsminister Bernd Naumann. Das Event bot vielen Künstlern die Gelegenheit, sich dem Berliner Publikum vorzustellen. Im ersten Teil traten Tanzgruppen auf. Das Tanzensemble „Perelka“ aus Duisburg, das Ensemble „Polonia“ aus Hannover und die Jugend-Künstlergruppe des Ensemble „Polonia“ aus München präsentierten polnische Volkstänze und Lieder. Im zweiten Teil traten auf Jola Wolters, Patricia Kazadi, Celina Muza und die Gruppe Schulzing mit Mateusz Smoczynski auf, die die neue Musikszene Polens vertreten. Im dritten und abschließenden Teil spielten und sangen Polkaholix, Maria Helmin, Warsaw Village Band und Justyna Steczkowska.

Über sämtliche Interpreten finden wir interessante und ergänzende Informationen im Internet.

T.S.
Gedanken

 „Es ist, wie es ist, und es ist fürchterlich“ – so oder ähnlich sagte oder schrieb einst der von mir so gemochte Thomas Bernhard. Es ist richtig und falsch zugleich. Und es ist nichts Neues. Form halber erwähne ich die Krise der Finanzen vieler Staaten, die Krise des Euro, die Krise im Nahen Osten, die Krise des englischen Fußballs. Es gibt also viele schreckliche Dinge. Man kann sie nicht ändern, nicht sofort, oder überhaupt nicht, weil die Natur des Menschen es nicht kann. Weil der Mensch egoistisch ist oder bequem, oder böse.

Der Mensch ist egoistisch und bequem, weil er zum Beispiel keine Zeitungen mehr kaufen will. Er hat zu wenig Zeit zum Lesen. Außerdem kosten sie, die Zeitungen, noch Geld, das man für Reisen ausgeben kann. Reisen dagegen sind bequem. Man bezahlt Geld, wird zum fernen Ort gebracht, sieht andere Farben, wird im Restaurant bedient und kann sich der bloßen Muße zuwenden. Wenn der Mensch aber ausnahmsweise Zeitung lesen will, oder das, was er für eine Zeitung hält, so geht er ins Internet und bedient sich der meist immer noch kostenlosen Nachrichten. Dass aber die Nachrichten nicht umsonst daher kommen, wollen die Menschen nicht begreifen. Gut recherchierte Informationen kosten viel Geld. Wenn es nicht da ist, werden die Informationen immer schlechter. Oder verschwinden ganz. Dann können wir nur noch reisen, ganz ohne Nachrichten, Reportagen oder Feuilleton. Und was uns da entgeht, brauche ich nicht zu erwähnen.

Nun sollten Leser der „Gazetka“ nicht auf die Idee kommen, wir würden bald eine Gebühr für unsere Arbeit erheben. Nein, das wird nicht geschehen. Auf diese geäußerten Gedanken kam ich, nachdem ich von der abnehmenden Auflage vieler Qualitätstageszeitungen gelesen hatte. Die Gefahr eines Qualitätsverlustes der Presse besteht somit realistisch. 

Was können wir tun, auch wenn es ist, wie es ist? Die Antwort steht mir, der schreibt und liest nicht zu. Ich für meinen Teil kann lediglich davon berichten, wie schön es ist, täglich eine Tageszeitung aus der polnischen und deutschen Hauptstadt in der Hand zu halten, das heißt das Papier in der Hand zu halten und die Druckerfarbe zu riechen. Und dann die Wörter und Sätze der engagierten Redakteure zu lesen und zu denken. Und es spielt keine Rolle, dass die Zeitung aus Warschau nicht das Datum von heute trägt. Sie ist etwas Kostbares. 

Aber vielleicht liegt es an meiner sentimentalen Einstellung, dass es zum Alltag gehört, eine Tageszeitung zu lesen. Gleichgültig ob sie, wie damals in Polen „Glos Wybrzeza“ heißt, oder heute „Der Tagesspiegel“.

Es war und ist es immer noch nicht alles fürchterlich. So muss ich Thomas Bernhard widersprechen.

Bonifatius Stopa

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25.12.2011 16:35:31